Deutsch

Die Klasse 5b beschäftigte sich im Deutschunterricht mit dem Thema Gedichte. Unter anderem wählte sich jeder Schüler in Einzel- oder Partnerarbeit ein Gedicht seiner Wahl für einen Gedichtvortrag aus. Fachübergreifend wurde der Inhalt des gewählten Gedichtes dann im Kunstunterricht gestalterisch umgesetzt. So sah die Klasse zu drei Gedichten eine pantomimische Gestaltung. Es entstanden aber auch aussagekräftige Bilder sowie Comics.

Der Bücherwurm

In dem hohen Glockenturm
hauste mal ein Bücherwurm.
Er war von Kopf bis After nackt
und las im Viertelstundentakt.
Denn regelmäßig, mit Gedröhne,
ertönten laute Glockentöne,
die den Wurm beim Lesen störten
und ihn unerhört empörten.
Er empörte sich gar sehr
Und mit jedem Donner mehr,
dass er zum Lesen nicht mehr kam,
was ihm den Lebenswillen nahm.
Nachdem er Wochentage auf Seite acht
ein und desselben Buches zugebracht,
stürzte der gestörte Wurm
sich erschöpft vom Glockenturm.
Er fiel und fiel minutenlang
fiel tief und tiefer angst und bang
und fiel zuletzt, ihr glaubt es nicht,
direkt hinein in dies Gedicht!
Denn fiele er daneben,
würd´s das Gedicht nicht geben.

 

Dunkel war´s (J.W. Goethe)

Dunkel war´s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossener Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte.
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.


Spinnen (M. Klare)
Bei seinem Netz im Baum,
so fein man sieht es kaum,
sitzt still ein Spinnerich
und staunt und wundert sich:
Da wickelt sich ein Räuplein klein
in seinen eignen Faden ein.
Was machst du? fragt der Spinnerich.
Du siehst doch, ich verpuppe mich.
Du spinnst dich selber ein?
Das kann doch wohl nicht sein!
Ich warte auf die Andern,
dass sie ins Netz mir wandern.
Und wenn sie lang genug gesessen,
dann werden sie bald aufgefressen.
Ach, sagt die Raupe froh,
bei mir ist das nicht so.
Ich brauche meine Seide
zu einem neuen Kleide.
Du hast sie wohl nicht alle!
Gehst in die eigne Falle!
O nein, ich bleibe darin kleben
und warte auf ein neues Leben.
Was soll das heißen, dummes Ding?
Es heißt: Ich wird ein Schmetterling!
Die Spinne fällt vor lauter Schreck
vom Baum und auch ihr Netz ist weg.
Am seidenen Faden hängt ihr Leben.
Die Raupe denkt: So ist das eben!

Wo ich wohne (G. Eich)
Als ich das Fenster öffnete,
schwammen Fische ins Zimmer.
Heringe. Es schien
eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie.
Die meisten aber
hielten sich noch im Wald,
über den Schonungen und den Kiesgruben.

Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch
die Matrosen,
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.

Ich will ausziehen.