Kinder lesen für Kinder - Der Vorlesetag an unserer Schule

Am 8. Dezember 2015 fand an unserer Schule der alljährliche Vorlesewettbewerb statt. An unserer Schule gibt es drei Plätze; der erste Platz darf zum Bundesweiten Wettbewerb und derjenige, der die Ehre hat, bester Jugendvorleser Brandenburgs zu sein, darf beim Internationalen (!) Vorlesewettbewerb mitmischen. Da kann man nur viel Glück wünschen. Nun zum Ablauf des Vorlesewettbewerbs an unserer Schule:

Der Beginn, die Einleitung und das Lesen des Wahltextes

Es ist sehr laut. Wirklich sehr laut. Was auch kein Wunder ist; die halbe Schule ist hier im Musiksaal versammelt. Die Jury (Gewinner des Klassenwettbewerbs der 5. Klasse) sitzt am Rand. Auch Schüler des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums sind als Jury anwesend. Bevor Frau Glatz – die Organisatorin des Schul-Wettbewerbs – eine kleine Rede hält, spielt ein Mädchen etwas auf dem Akkordeon vor. Dann sagen vier Kinder ein Gedicht auf, woraufhin ein Mädchen noch etwas auf dem Klavier spielt. Und schon geht es los:

Noah Giebe macht den Anfang. Dann folgt Paul Petrowski mit Sherlock Holmes. Er macht einen spannenden Cliffhanger und kassiert dafür bestimmt jede Menge Punkte.
Emil Hoffmann aus der 6a liest Stuart Horton vor. Er setzt vor allem auf sehr gute Betonung. Übrigens: Emils Bruder Hans ist in der Jury aus dem Bertha-von-Suttner-Gymnasium dabei.
Als nächstes liest Toralf Rebouillon „Das Schwarze Buch der Gedichte“ vor. Ole Levermann entschied sich für ein Buch einer sehr berühmten Autorin: „Drachenreiter“ von Cornelia Funke. Er liest sehr gut; nicht zu schnell, eine gute Betonung. Dann liest Ronja Maiwald vor. Sie hat eine gute Lesetechnik und betont sehr gut. Jetzt folgt eine fünfminütige Pause.

Der Fremdtext muss auch drankommen

Nun war Frau Glatz wieder an der Reihe. Sie verkündete unter größter Spannung das Buch, in dem der Fremdtext vorgelesen wird. Das Buch, das jedes Jahr gewechselt wird. Das Buch, von dem keiner wissen darf, dass es an dem Tag gebraucht wird. Es war:
Dark Mouth, Teil 1
Aus der Ecke der Vorleser kam ein nicht gerade leises Stöhnen. Vielleicht hatten sich manche Vorleser extra auf bestimmte Bücher vorbereitet, doch anscheinend hätte niemand gedacht, dass das Buch des Fremdtextes tatsächlich Dark Mouth 1 sein würde. Noah Giebe las für einen Fremdtext sehr gut. Dann machte er Platz für Paul, der das zweite Kapitel sehr gut und realistischer als Noah, aber trotzdem nicht besser, las. Allerdings will ich noch nicht alles erzählen, was erst am Ende dieses Textes stehen soll. Als nächstes las noch Emil, der wieder sehr gute Betonung zeigte, obwohl er das Buch noch nicht gelesen hatte. Dann kamen noch Toralf, Ole und Ronja, die alle sehr gut lasen, an die Reihe.
Und als Krönung des Ganzen kamen noch zwei Jugendliche aus dem Bertha-von-Suttner-Gymnasium nach vorne. Phillip las uns eine Textstelle aus einem Buch über Samurai vor, bei dem man entscheiden musste, wie es weiterging.
Als zweites „Special“ trat Ronja (nicht die Ronja aus der 6.) in die Mitte und las einen kurzen Ausschnitt aus „Die Känguru-Chroniken“ vor, ein sehr lustiges Buch von Marc-Uwe Kling.

Die Preisverleihung

Jetzt wird es ernst: alle versammeln sich noch einmal im großen Musikraum. Alle gucken wie gebannt zu Frau Glatz, die die Sieger verkünden wird. Sie beginnt… heißt uns herzlich willkommen zur Siegerverehrung... verkündet den dritten Platz… den dritten Platz belegt: Emil Hoffmann aus der 6a! Er kommt nach vorne und holt sich seinen Bücherpreis ab. Der zweite Platz geht an… Ronja Maiwald! Ihre Klasse jubelt. Und den ersten Platz gewinnt: Ole Levermann! Die 6a will nicht mehr aufhören zu klatschen!

Mir hat der Vorlesewettbewerb in der Schule super gefallen und ich würde sagen: drücken wir Ole die Daumen!
David, 5a

Der Vorlesetag fand seil über zehn Jahren immer am dritten Freitag im November statt. Jeder, der Spaß am Vorlesen hat, liest an diesem Tag anderen vor - zum Beispiel in Schulen, Kindergärten oder Buchhandlungen. Mancher las auch an ganz verrückten Orten vor: im Riesenrad, im Flugzeug, in einem Tierpark, im Museum oder in einem Restaurant - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Die Erfinder des Vorlesetags sind eine Zeitung (DIE ZEIT), die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn. Sie wollen damit für das Lesen und Vorlesen begeistern und Kinder ganz, früh mit Büchern in Kontakt bringen. Dieses Jahr lasen am Vorlesetag 100.000 Menschen Bücher vor - und über 2,5 Millionen Kinder haben zugehört.

Auch an unserer Schule machten alle Kinder mit. Die erste, zweite und dritte Klasse waren die Zuhörer. Die vierte bis sechste Klasse waren die Vorleser. Aber nicht alle blieben bei uns in der Schule. Meine Klasse, die 5a, las in der 3. und 4. Stunde im Kindergarten in der Grenzstraße. Wir wurden von der Leiterin freundlich begrüßt und dann in verschiedene Gruppen eingeteilt. Ich war mil meinen Klassenkameraden David, Josefine, Julius, Paul und Pauline bei den Drei- bis Vierjährigen.
Folgende Bücher lasen wir vor: Wahre Geschichten, wie zum Beispiel der „Esel Benjamin", und Fantasiegeschichten, wie das Buch vom „Drachen Kokosnuss" oder eine „Sockenparty für Flusi". Die Kindergartenkinder hörten gespannt zu und lachten ganz viel. Manchmal störten die Kinder auch etwas und unterbrachen uns beim Lesen. Dann stellten sie Fragen, zum Beispiel, ob das blaue auf dem Bild „Flusi" sei. Da verlor man beim Lesen manchmal den Faden. Einige Kinder verstand man auch gar nicht richtig, weil sie so viele Zahnlücken hatten, dass sie ganz undeutlich sprachen.
Die Zeit verging ganz schnell. Am Schluss wollten wir am liebsten noch im Toberaum des Kindergartens spielen. Leider mussten wir zurück zur Schule. Als Dankeschön bekamen wir Obst, Lollis und Bonbons.Zum Abschied sagte die Leiterin „unserer" Kindergartengruppe: „Ihr könnt immer wieder gerne zu uns kommen und vorlesen!"

Am nächsten Tag las ich einen Bericht übet den Vorlesetag in der Zeitung: über eine Ministerin, die auch Kindern vorgelesen hatte und dann etwas sehr Schönes gesagt hatte, das möchte ich gerne an den Schluss meiner Reportage stellen:

„Lesen ist so wichtig wie Reisen. Man lernt viel Neues kennen und muss dafür nicht einmal den Sessel verlassen. Auch Zeitreisen sind durch das Lesen möglich, denn so können wir zum Beispiel Dinosaurier oder Ritter kennenlernen. Durch die Lust am Lesen entwickeln Kinder Kreativiiät und Phantasie, um den Alltag spannend zu machen und die Welt auch einmal mit anderen Augen zu sehen."

Franziska Kübler, 5a